Nächtliche Lichtjagd

Motive in der Dunkelheit zu finden ist nicht immer leicht. Das liegt nicht daran, dass man in der Nacht weniger sieht als am Tag, sondern dass die Ansprüche oft ganz andere sind. Um mit dem wenigem Licht optimal arbeiten zu können, muss man erst dafür sorgen, dass kein Licht vorhanden ist welches stört. Gemeint ist damit die Lichtverschmutzung. Es gibt immer weniger Orte, welche noch eine mehr oder weniger geringe Belastung des künstlichen Streulichtes aufweisen – der nächste Ort in meiner Nähe ist die Eifel.
Ich hatte in der vergangenen Zeit mehrere Touren dorthin unternommen. Und trotz einiger Rückschläge wie zu schlechtes Wetter, hat es mich nicht davon abgehalten ständig neue Plätze und Motive zu finden. Das Hohe Venn zum Beispiel ist eine wunderschöne Gegend, welche gerade in der Nacht anspruchsvolle Motive bietet. Leider ist in den Hochmooren das Verlassen des Steges nicht möglich, da zum einen dadurch das empfindliche Biotop gestört wird und man sich dabei auch schnell selbst in Gefahr bringen kann. Somit ist man auf den schmalen Weg beschränkt, was die Bildkomposition oft erschwert. Aber wenn es so einfach wäre, würde es nicht so einen Spaß machen und das Erfolgserlebnis wäre auch nicht das selbe.


GGPKG Preview ImageGGPKG Preview Image

Und gerade wenn man denkt, man sei der einzige Depp weit und breit mit dieser völlig bekloppten Idee, wird man eines besseren belehrt. Respektive man stellt fest, dass da noch mehr sind, die genau so verrückt sind wie man selbst und so wird aus dem eigentlich geplanten Aufenthalt von einigen Stunden eine komplette Nacht bis zum Sonnenaufgang. Man puscht sich gegenseitig auf – jagt dem Licht und dem Moment hinterher um am Ende erschöpft im Auto den Vormittag zu verschlafen. Vorausgesetzt, man hat einen ausreichend großen Kofferraum, eine Schlaf-matte und nen Schlafsack dabei. Unausgeschlafen und völlig übermüdet sollte man sich auf keinen Fall in den Straßenverkehr begeben!

Der absolute Höhepunkt dieser Art war die Reise nach Liechtenstein, wofür ich mir zwei Tage – oder besser gesagt, zwei Nächte zeit lies. Die Erste Nacht verbrachte ich mit dem Fahren und dem Fotografieren. Mein erstes Ziel führte mich zur Burg Eltz. Ich wollte sie zur blauen Stunde und später mit der Sommermilchstraße ablichten. Alles zuvor war akribisch durchgeplant. Mondbahn, Winkel und Lage der Milchstraße, Standorte, Blickwinkel, Fahrzeiten, Pausen und damit die jeweiligen Zeitfenstern an den drei verschiedenen Orten. Also wann ich wo sein müsste um die Milchstraße so in den Kasten zu bekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Plan ist aufgegangen, als ich nach einem Stopp an der Mosel-schleife bei Kröv, am Ende an der Saarschleife angekommen war. Leider lies man hier – vermutlich dem neu erbautem Aussichtsturm zu Gunsten (den man gegen eine Gebühr nur Tagsüber nutzen darf) – die Vegetation wachsen, so dass der komplette Blick dann noch schwierig war. Schön war sie dennoch.
Ein halbwegs schattiges Plätzchen hatte ich auch schnell gefunden und da ich speziell Vorhänge für alle Fenster geschneidert hatte (Um Hitze, Licht und neugierige Blicke fern zu halten) war es auch kein Problem auf dem Besucherparkplatz zu stehen. Jedoch machten die sommerlichen Temperaturen von ca 31°C ein Ausschlafen unmöglich und schon um 12 Uhr konnte ich es in der rollenden Sauna nicht mehr aushalten.

 

Kurz und lecker gegessen, ein letzter Einkauf und weiter ging es durch das schöne und sommerliche Saarland zum Pfälzer Wald. Da ich auf keine Unterkunft angewiesen war, hatte ich keine Eile und konnte in aller Gemütlichkeit die Strecke genießen. Mein zweites großes Ziel war die Wegelnburg bei Nothweiler. Eine der höchsten Burgruinen im Pfälzer Wald. Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis weit ins Mittelalter hinein. Zum ersten mal im Jahr 1247 erwähnt hat diese Burg einiges an Geschichte miterlebt. Wann und wie oft dieses Bauwerk in den letzten knapp 800 Jahren zerstört und wiederaufgebaut wurde ist nicht bekannt. Im 17. Jahrhundert wurde sie – das letzte Mal – von französischen Truppen zerstört und abgeschliffen.
Rund 200 Jahre später wurden an der Ruine erste Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen vorgenommen und zwischen 1977 und 1982 gab es weitere Renovierungs- und Abtragungsmaßnahmen zur besseren Begehung.
Obwohl ich nur eine recht grobe Vorstellung davon hatte, wie es da oben aussieht und was man alles wie sehen würde, wollte ich genau hier die Nacht verbringen. Vor dem Marsch gönnte ich mir jedoch noch ein keines Schläfchen auf einem Besucherparkplatz für Wanderer – keine 50m von der Französischen Grenze entfernt. Zu meinem Gunsten wehte dort konstant eine sehr kühle Brise aus dem kleinen Tal, weshalb es sich trotz der sommerlichen Temperaturen sehr gut aushalten lies – es war gerade zu angenehm kühl.


GGPKG Preview ImageGGPKG Preview Image

CK160998CK160979CK160992YCK160994CK160999CK160676CK160679CK160996CK160684CK160981CK160929CK160361CK160992XCK160977CK160983CK160673CK161000CK160984CK160940CK160938CK160681CK160982CK160678CK160686

Zum Einbruch der Dunkelheit erreichte ich nach rund 1,5h Gehzeit den 270m höher gelegenen Gipfel. Alleine war ich hier oben jedoch nicht – sechs Personen hatten sich entschieden auf der Ruine zu nächtigen. Ich würde die ganze Nacht wach bleiben und so viele Aufnahmen machen wie es geht. Neben normalen aufnahmen der Milchstraße standen auch Startrails und Kugelpanoramen auf dem Programmplan. Ausschlafen konnte ich später am Tag.

Unwetter am Schwarzwald

Das schwere Unwetter, welches zu jener Nacht über NRW zog, war von der Burg aus eindrucksvoll sichtbar. Gewaltige Lichtblitze erhellten den Horizont. Ebenfalls zog ein Gewitter entlang des Oberrheintals – es war fotogener und es machte Spaß dies ungestört beobachten zu können. Leider machten mir Cirruswolken mein Vorhaben mehr oder weniger zunichte. Laut Wetterbericht hätte die Nacht klar sein sollen – aber wie so oft, kommt es am Ende doch etwas anders und die Bezeichnung „klar“ entpuppt sich als ein recht dehnbarer Begriff.

 

Bei nächtlichen Temperaturen von rund 20°C und Gewittern am Horizont, schenkt man jeder aufziehenden Wolke etwas mehr Aufmerksamkeit. Ist man doch am höchsten Ort weit und breit und der nächste Faradaysche Käfig – das Auto – nur 90 Minuten entfernt, will man zumindest den Gipfel rechtzeitig verlassen haben. Und dann war wie aus dem Nichts plötzlich eine kleine Gewitterzelle in noch sicherer Entfernung an der Burg vorbei gezogen. Wenn es blitzt ist es meist schon zu spät, denn dann hat eine solche Wolke ihre Größe um gefährlich zu werden schon längst erreicht. Es blieb beim aufmerksamen Beobachten mit beiden Kameras um die Entwicklung und Entfernung besser einschätzen zu können. Am Ende hatte sich das warten gelohnt. Es war ein Bilderbuch von einem Sonnenaufgang, Die zuvor vorbei gezogene Gewitterzelle hatte sich abgeschwächt und dann wieder neu aufgebaut und lies in der Morgendämmerung genau zwei Blitze zu Boden gehen, wovon ich einen einfangen konnte. Nachdem die Sonne aufgegangen war, packte ich ein und stieg wieder hinab um gegen 9 Uhr Vormittag völlig erschöpft in das zuvor vorbereitete Bett des Kombis zu fallen. Diesmal konnte ich – der kühlen Brise sei Dank – etwas länger schlafen und überhörte selbst den Wecker, den ich mir gestellt hatte…

Weitere Artikel zum Thema Fotografie in der Nacht:
Von Schneeglöckchen und Sternenschleier
Der Griff nach den Sternen

Dir gefällt dieser Artikel? Dann abonniere doch den RAWreport Newsletter.

Image usage rights / Bild-Nutzungsrechte

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

© 2017 photographicx

Thema von Anders Norén