Mythos Athene

Der Name „Steinkauz“ klingt jetzt weder mystisch, noch sagenumwoben. Er lässt eher auf die Herkunft, respektive der Lage der Brutplätze schließen, welche oft im Gestein, wie Steinbrüche, Felswände, Ruinen, Weinkellern und Mauerwerken sein können. Er brütet aber auch in Baumhöhlen von Obstbäumen und Kopfweiden, in alten Scheunen oder an anderen Orten die sich dafür eignen.
Die Bezeichnung Kauz „Steinkutz“ oder „Steinkeutz“ – zuerst im 15. Jh. Nachweisbar – dürfte sich auf den besonderen Ruflaut beziehen, den vor allem die Jungvögel permanent äußern. Es ist ein schleifendes, leise säuselndes und keuchendes Fauchen mit dem sie auch um Futter betteln oder auf sich aufmerksam machen. Dies ist abgeleitet von kûchen („hauchen, keuchen“ – SULOATHI 1958) oder Küze („Schreihals“ – WERNER 1968). (SCHÖN 1990)

Seit dem Altertum spielt diese Eule eine besondere Rolle. Die bisher ältesten Darstellungen von Steinkäuzen fand man in der Mongolei um etwa 8000 v. u. Z. (Wiki)
Im alten Ägypten wurde mit dem Hieroglyphe „m“ die Eule (verm. Steinkauz) Symbolisiert. Eine babylonische Terrakotta Platte zeigt Göttin Lilith mit Eulenfüßen. (SCHÖN 1990, BRENTJES 1967)

Mit dem Hebräischem Namen „kôs“,  was mit „Käuzchen“ übersetzt wird, wird im Altem Testament ein Vogel an drei Stellen erwähnt.(Wiki)
In der Mythologie des antiken Griechenlands galt der Steinkauz als der Wappenvogel der Göttin der Weisheit – Pallas Athene – „Glaukopis“, die Eulenäugige mit der Auslegung auf das gute Sehvermögen der Eulen. Die Hell- oder Scharfblickende Bezeichnung der Minerva ist bei den Römern denen der Griechen sehr ähnlich. (SCHÖN 1990)

So taucht der Steinkauz nicht nur auf vielen Abbildungen in der griechischen Antike auf, sondern auch um etwa 525 v. Chr. auf den silbernen Tetradrachmen-Stücke, welche auf der Vorderseite die Göttin Athene und auf der Rückseite den Steinkauz mit Olivenzweig zeigen. Wegen der großen Stückzahl die einst geprägt wurden, nannte man die Silberstücke auch „Eulen“.

Die Redewendung „Eulen nach Athen bringen“ stammt also nicht von ungefähr – ebenso der wissenschaftliche Name dieser Eule Athene noctua, was so viel wie „nächtliche Athene“ bedeutet. Heute ziert die Prägung der Drachmen aus dem Altertum die Rückseite jeder griechischer 1-EURO-Münze. Und auch in jüngster Zeit wurden viele „Eulen“ nach Athen gebracht.

Generell waren Eulen in den alten Kulturen und Naturreligionen bewunderte aber auch gefürchtete Vögel, die nicht selten als die Verkörperung von spirituellen Wesen gesehen und respektiert wurden.


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Ganz anders dagegen verlief es in den abendländischen Kulturen und Religionen. Hier hatten die Eulen – insbesondere der Steinkauz – den Ruf eines Unheilverkünders und Totenvogel der mit seinem Markanten „kuwitt“-Ruf (welches als „komm mit“ interpretiert wurde) die Kranken und sterbenden in den Nächten besuchte und sie zu sich ins Jenseits rief. Dabei war es üblich in dem Zimmer schwer-kranken und sterbenden Menschen in der Nacht ein Licht brennen zu lassen, welches dann viele Insekten anlockte, die der Steinkauz dann jagte.

Besonders im Mittelalter wurden Eulen geächtet und mit dunkler Magie, Hexerei, Dämonen, schlechte Nachrichten, Unglück, Tot und Verderben in Verbindung gebracht. Die nächtlichen Aktivitäten wie die Schreie und der lautlose Gleitflug haben dies womöglich sogar noch beflügelt. Auch hielt sich noch bis weit in das 20 Jahrhundert der ziemlich perverse Aberglaube, dass eine lebendig an den Flügeln festgenagelte Eule an Haus und Hof diesen und dessen Bewohner vor Krankheit, Blitzschlag, Hagel und bösen Geistern (sowie Hirnschmalz und Intelligenz) schützen würde.

Parallel dazu wurden sie zunehmend für die Hüttenjagt als Lockvogel benutzt, dessen Brauch auch noch vor wenigen Jahrzehnten Gang und Gebe war. Dabei vermenschlichte man eine Eule so sehr, dass sie ruhig auf einem Pfosten saß und Jäger darauf warteten, dass Singvögel, die diese Eule bei Tag sahen, sich mobbend und hassend auf sie stürzten und Scheinangriffe flogen. Man nutzte diese Taktik um Singvögel zu fangen oder um sie zu erlegen (z.B. Rabenvögel)

Heute ist zum Glück vieles anders. Man weiß mittlerweile, dass der Steinkauz und seine Artverwandten keine Unheilverkünder sind und dass die ganzen Geschichten um Tot, Finsternis, schwarze Magie, Dämonen und Seelenräuber nur einige von vielen Horrormärchen waren. Trotz diesem positiven Gesinnungswandel in den vergangenen hundert Jahren ist der Bestand des Steinkauzes weiterhin rückläufig und in vielen Teilen Deutschlands ist er gar nicht mehr vorhanden.

Seine Anwesenheit ist – wie das eines jeden heimischen Vogels – keine Bedrohung oder Störung, sondern eine wahre Bereicherung der Natur und daher in jedem Fall schützenswert!

 

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