Komischer Kauz!

Wie viele verschiedene Facetten dieser Vogel wirklich hat, offenbart sich erst wenn man ihn eine längere Zeit beobachten kann. Die Bezeichnung „Kobold“ trifft es hier voll und ganz. Denn seine Statur, die großen – schwefelgelben – Augen, das Verhalten und die Nähe zum Menschen geben viel Raum zur Interpretation und so wird vieles schnell subjektiv gesehen oder gedeutet. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das Bild des gesenkten Kopfes. Durch die geradezu gigantischen Augen sind die Pupillen auch noch bei gesenktem Haupt gut zu sehen, wodurch der Eindruck eines eher strengen Blickes entsteht. In Wahrheit schaut die Eule da nur nach unten und das genauso entspannt, wie zuvor – nur sieht dies dann aus einem bestimmten Winkel wie ins Gegenteil verkehrt aus.

Keine Frage, der Steinkauz gehört für mich zu den Vögeln mit der bisher vielfältigsten Körpersprache, die ich bisher beobachten konnte. Dabei ist vieles davon einfach nur der Statur und dem Verhalten geschuldet und offenbar eher bedeutungslos für den Vogel selbst – für unsereiner jedoch sehen viele Dinge niedlich, fröhlich, lustig, böse oder einfach nur mitreißend aus! Auch gerade durch das flach wirkende Gesicht meinen wir mehr darin erkennen zu wollen. Nicht selten sitzt man im Beobachtungszelt und kann über das, was die Natur da erschaffen hat nur staunen – auch wenn man sich hin und wieder das Lachen verkneifen muss, weil gewisse Situation oder Körperhaltungen einfach zum Schreien komisch sind.

„And Iiiijaaaaiiii, will always huuhuuuu…“

Wie die anderen Vertreter seiner Art, fixiert auch der Steinkauz seine Beute durch rhythmische Kopfbewegungen. Hierzu wird der Kopf seitlich nach links und rechts oder auf und ab bewegt – manchmal auch nach links und rechts gekippt – um eine Beute, bzw. ein Objekt besser sehen / erkennen zu können. Während diese Bewegung bei den Altvögeln eher unauffällig zu beobachten ist, ist es bei den Jungvögeln hingegen übertrieben ausgeprägt. Gerade in den ersten Monaten des Lebens vollführen die Steinkäuze dies noch mit dem sogenannten Knicksen. Dabei hocken sie sich blitzschnell so weit hinunter, dass sie mit dem Bauchgefieder die Zehen berührt und im nächsten Moment stehen sie fast auf den Zehenspitzen um möglichst groß zu sein. Dieses Auf- und Ab hat schon seinen Reiz und bringt einen echt zum Schmunzeln – besonders wenn die Jungvögel es zu Anfang noch nicht so gut hinbekommen und dabei etwas an Gleichgewicht verlieren.


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Trotz der Nähe zum Menschen ist der Steinkauz ein scheuer Vogel. Er erkennt den Menschen schon von weitem und flüchtet wann immer er kann oder versucht sich zu tarnen. Der Steinkauz weiß aber auch bestimmte Verhaltens- und Bewegungsmuster zu erkennen und zu lernen, wo Menschen oft entlang gehen und wo eher weniger. Entsprechend unterschiedlich können dann auch die Fluchtdistanzen ausfallen.
Auffällig ist, dass das Männchen in diesem Revier eine alte Fußverletzung hat. eine offenbar schief verheilte Fraktur. Die Beobachtung hat jedoch gezeigt, dass dieser Kauz mit diesem Handicap zurechtkommt und es ihn offenbar nicht sonderlich beeinträchtigt. Denn er kann den Fuß samt Zehen immer noch sehr gut bewegen und damit sogar vier hungrige Schnäbel versorgen. Er befindet sich vermutlich im vierten oder fünften Jahr –  könnte aber auch noch älter sein.

Dies ist jedoch eher eine Ausnahme, denn Steinkäuze werden nicht sonderlich alt. Die meisten schaffen es nicht einmal in die Brutreife – respektive ein Alter von etwa 10 Monaten. Nur etwa zwei Drittel der Brut verlässt das Revier lebend. Davon kommt etwa die Hälfte während der Suche nach einem neuem Revier um – da spielen vor allem Faktoren wie mangelnde Erfahrung und Ortskenntnis eine große Rolle. Nach Erreichen der Brutreife werden Steinkäuze im mittlerem Durchschnitt nur etwa drei Jahre alt. Nur wenige freilebende Steinkäuze überschreiten das sechste Lebensjahr – der älteste Nachweis eines frei lebenden Steinkauzes wurde mit 13 Jahren belegt (Lebendkontrolle, B. ULLRICH briefl.; vgl. GLUTZ U. BAUER 1980). In Gefangenschaft lebende Steinkäuze überschreiten sogar nicht selten das 18. Lebensjahr.
Der Grund für die hohe Mortalität sind neben den Fressfeinden wie Marder, Katze, Habicht, Sperber, Waldkauz, Waldohr- und Schleiereule, vor allem der Wegfall vom Habitus durch Bau- oder Umstruckturierungsmaßnahmen, harte Winter, Nahrungsknappheit (mäusearme Jahre), Krankheiten, Infektionen, Verletzungen sowie der klassische Verkehrsunfall auf der Straße und Schiene.

Wer mehr über diesen wundersamen Vogel erfahren möchte, dem kann ich das Buch „Der Steinkauz“ von Siegfried Schön ISBN-13: 978-3894323967 empfehlen. Es war und ist mein Leitfaden für diese wundersame Beobachtung.

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