Einmal Oberstdorf und zurück

Es war ein spontan geplanter Trip übers Wochenende. Krefeld – München – Oberstdorf – München – Krefeld.

Und diesmal blieb es nicht bei der spontanen Buchung eine Premiere: ich habe mal das „Trampen“ ausprobiert. Bahn und Bus war mir entweder zu hochpreisig oder mit 15h in eine Richtung – jepp!, fünfzehn Stunden! – waren mir einfach zu langsam. Also kurzerhand die Tour mit blablacar organisiert und auf ging’s – ohne Probleme!

Zwischenstopp in München, kurz übernachtet und dann um halb fünf früh am nächsten Morgen raus um mit dem erst möglichem Zug nach Oberstdorf zu kommen. Dort – Deutsche Bahn sei Dank! – mit gut 40 Minuten Verspätung um 20 vor neun angekommen. Die Zeit für den Spaziergang zum Eingang der Breitachklamm war damit gestorben. Der Erste Bus fuhr erst um 10:30 – also Plan C: Taxi. Nach gerade einmal 12 Minuten erreiche ich bequem den Parkplatz der Klamm und drückte zähneknirschend die lächerlichen 16 EUR für die kurze Fahrt dem Taxifahrer in die Hand. Für 4 EUR mehr hatte ich das Zugticket bekommen.


Immerhin: ich war zehn Minuten vor Öffnung (08:50) am Ziel angekommen und durfte als Erster (fünf Minuten vorher) hinein *freu*.
Die anfängliche Freude verflog jedoch schnell, als ich merkte, dass der Schnee nicht einfach bei Seite geräumt oder fest getrampelt worden war, sondern mit Hilfe von zu wenig Streugut zu einer einzigen Masse verwandelt worden war, dessen Konsistenz eher mit Sand zu vergleichen war.
Mit schwerem Gepäck da noch auf und ab zu Wandern war: es hat mich an das Wandern in den Sanddünen auf Texel erinnert. Barfuß und für kurze Strecken ein Spaß, aber nicht in Winterstiefeln!
Nichts desto trotz, die 4 EUR sind es auch wert sich dieses Naturschauspiel an zu sehen! Im Sommer wie im Winter.

Aber viel Zeit zum Trödeln blieb mir nicht: denn die Klamm war nicht das einzige Etappenziel, sondern nur ein Drittel des Weges. Ich wollte diesmal die Breitach bis Riezlern im Kleinwalsertal durchwandern und ca. 2,5km hinter der Waldhütte wieder aufsteigen.
Aber erst einmal zur Breitachklamm: Die führt an so manch kalten Tagen wenig Wasser und bildet an den Steinen und Felsen zahlreiche Eisblumen und mächtige Eiszapfen. Es ist ein Schauspiel, dass sich immer wieder lohnt – egal wie oft man diesen Weg schon gewandert ist, man entdeckt immer wieder neues.

 

Seit einigen Jahren ist es auch möglich über eine Brücke nahe der Grenze zu Österreich auf die andere Seite zu gelangen und die Breitach flussaufwärts zu Wandern. Hier hat man die Chance an das Ufer dieses Flusses zu gelangen.
Vorausgesetzt man hat zu der weißen Jahreszeit entsprechende Kleidung um trocken durch den teilweise Hüfttiefen Schnee zu gelangen…
Vom Eingang der Breitachklamm im Kleinwalsertal bildet die Breitach gut 1-2km den natürlichen Grenzverlauf zwischen der BRD und unserem alpinen Nachbarn.


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Auf dem Weg nach Riezlern liegt, im Tal der Breitach und direkt zwischen Weg und Fluss, das „Waldhaus-Riezlern“. Es lädt wunderbar zum Einkehren und bietet nicht nur frischen Kaiserschmarn und leckere Schoggi. Nach einer langen Wanderung im Schnee kann man in das Urig eingerichtete Waldhaus die Seele baumeln lassen.

Obwohl ich gerne länger geblieben wäre, nutzte es jedoch nur für einen kurzen „Tankstopp“, füllte die Thermokanne mit neuem Schwarztee und war im Nu wieder draußen. Das Licht wartete nämlich nicht auf mich und die Wanderung war noch lange nicht zu Ende..
Regelmäßig krachten kleine Schneelawinen von den Tannen herab und dann war der weiße Pulver überall. Manchmal hatte man den Eindruck, ein Güterzug hätte den Weg gekreuzt.
Auf dem letztem Drittel der Etappe dann die Ernüchterung: der Weg entlang der Breitach war gesperrt und ich wurde vorzeitig gezwungen auf zu steigen. Oben angekommen warf die tiefe Sonne ihr oranges Licht an die Hänge des Fellhornes. Es war dennoch ein faszinierender Anblick, der sich mir bot. Besonders die Strukturen im Schnee kamen nun deutlich zum Vorschein – so auch die Fahrspuren vom Snowboard und Ski.
Früher als geplant erreichte ich die Bushaltestelle in Riezlern – nach 11 km Wanderweg war mir das auch recht.


Weil ich in Oberstdorf noch 90min Zeit hatte, suchte ich mir ein Restaurant um meinen hungrigen Magen zu besänftigen und um nach der Wasserblase am Zeh zu sehen. War doch ein wenig viel für den Anfang.
Nach einem Umstieg in Immenstadt war es halb Elf, ehe ich mein Ziel in München erreicht habe und dann am Ende nur noch ins Bett – respektive die Couch viel…

 

Danke an Max, für diese Schlafgelegenheit!


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