Der Griff nach den Sternen

Die Sonne ging gerade unter, als ich in Neuss angekommen war. Ich traf mich mit Björn – einem Freund und Astronom. Von hier ging es weiter nach Süden, in die Eifel. Den Ausflug hatten wir kurzerhand spontan geplant und hofften beide auf eine klare Atmosphäre, respektive, dass die Modelle für die Wetterprognose recht behielten. Unser gemeinsames Ziel für diese Nacht war der Sternenpark in der Eifel. Der erster in Deutschland dieser Art.
Im kalten Krieg diente diese Gegend als Truppenübungsplatz der britischen Armee, welche auch die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang mit in den Übungsplatz einbezog. Das Militär ist nun schon lange fort, Vogelsang ein Museum und der Truppenübungsplatz auf dem einst Panzer rollten eine wundervolle Heidelandschaft. Entsprechend gibt es hier nur sehr wenig Lichtquellen – optimal also um möglichst viele Sterne zu sehen.

Als wir angekommen waren, war es bereits stockfinstere Nacht. Unzählige Sterne säumten das Firmament – nur auf Island habe ich mehr gesehen, aber viel fehlte zum Ausgleich nicht mehr. Sogar die Milchstraße war mit bloßem Auge sehr gut zu erkennen. So bauten wir zügig auf – den Björn hatte sein großes Spiegeltele mit dabei und wir hatten es noch geschafft den Mond ein zu fangen, ehe er Minuten später, blutrot hinterm Horizont abgetaucht war. Während Björn darauf hin die Andromedagalaxie ins Visier genommen hatte und es sich gemütlich machte, zog ich los – hinaus in die Weiten des ehemaligen Truppenübungsplatzes auf diesem finstereren Hochplateau. Mit Google Earth hatte ich zuvor einige vermeidliche Motive aus gemacht. Zumindest gaben das Struktur der Landschaft und einige Bilder vor Ort her. Aber wie so oft mit einem solch anspruchsvollem Himmel kommt es meist anders als geplant. So entpuppten sich viele dieser Orte als Nieten und ich musste selbst passende Motive suchen um einen würdigen Vordergrund für diese kosmische Schönheit zu bekommen.Auch probierte ich dieses Mal die Möglichkeit Panoramen zu machen – das komplizierte an der Sache jedoch war mehr die Rotation des Himmels, respektive sie ständige Bewegung und damit die Verzerrungen später im Panorama. Diese galt es später irgendwie aus zu gleichen. Jedoch lässt sich nur so auch die komplette Milchstraße in einem Bild unterbringen.

Leider waren einige der Wege gesperrt, so konnte ich nicht alle Motive abgrasen und beschloss nach einigen schönen Fotostopps auf die andere Seite zu gehen – in Richtung Wollseifen. Einem ehemaligem Dorf, welches den zweiten Weltkrieg mehr oder weniger unbeschadet überstanden hatte, jedoch wenig später von der britischen Armee zwangs-geräumt wurde um im kaltem Krieg als Übungsplatz für Häuserkämpfe und Artilleriebeschuss herhalten zu müssen. Lediglich die Kirche, eine alte Schule und eine halbe Hand anderer Häuser aus der damaligen Zeit haben dies mehr oder weniger überlebt. Die zerstörten Häuser wurden durch modernere ersetzt in denen weiter geübt werden konnte. Das waren lieblos errichtete, zweistöckige Plattenbauten dessen Fenster im unterem Stock aufgrund der Munitionsbelastung zugemauert waren. Somit bot mir das „Dorf“ selbst keine passenden Motive. Auch die Kirche nicht, denn sie war von riesigen Bäumen umsäumt, welche sogar schon den Turm überragten und damit die Milchstraße komplett überdeckten.

Auch gibt es hier viele Geschützbunker aus dem zweitem Weltkrieg, welche allesamt zerstört und als Ruinen an die damalige Zeit erinnern.  Leider auch allesamt zugewachsen und wenig reizvoll als Vordergrund. Zumindest konnte ich in der kurzen Zeit keinen wirklich passenden finden.

So machte ich mich langsam wieder auf dem Weg in Richtung Parkplatz – auch weil ich neugierig war, was Björn da einfangen konnte. Und da war plötzlich ein rotes, leicht flackerndes Licht auf dem Weg. Als ich näher gekommen bin, sah ich eine kleine Kapelle. An der bin ich zuvor auch vorbei gekommen, aber durch meine helle Stirnlampe habe ich das schwache Licht der Kerze nicht gesehen. Also baute ich noch einmal alles auf und schoss das für mich zweitbeste Bild in dieser Nacht.


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Es war halb vier, als ich am Parkplatz angekommen war. Björn sah etwas durch gefroren aus, trotz Jacke, Handschuhe und Mütze, während ich noch immer in kurzen Hosen herum lief. Es macht einen riesen Unterschied, ob man sich bewegt oder nicht…  Noch vor Beginn der Dämmerung luden wir das ganze Equipment ins Auto und machten uns auf dem Heimweg.

Andromeda-Galaxie

Andromeda-Galaxie

Um sechs Uhr früh erreichte ich mit dem Wagen dann auch meine Garage und bin wenig später wie ein Sack Kartoffeln in die Federn gefallen – Die Sonne ging wieder auf…

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